Demokratische Legitimation im Strukturwandel – Eine Pilotstudie zu moral?konomischen Deutungen in Ostwestfalen-Lippe

Overview

Das Vertrauen in politische Institutionen steht in transformationsgepr?gten Regionen unter besonderem Druck. Wirtschaftliche Umbrüche – etwa durch Digitalisierung, Dekarbonisierung oder industrielle Neuausrichtung – berühren nicht nur Fragen von Besch?ftigung und Wertsch?pfung, sondern grundlegend die Legitimit?t politischer Gestaltungsansprüche. Die bisherige Forschung hat dabei vor allem ?konomische Indikatoren und institutionelle Governance-Strukturen in den Blick genommen. Die kulturellen und normativen Deutungsprozesse, in denen betroffene Akteure Strukturwandel nach Ma?st?ben von Gerechtigkeit, Anerkennung und Zumutbarkeit bewerten, blieben demgegenüber unterbelichtet.

Auch die empirische Forschungslandschaft ist einseitig gepr?gt: Untersucht werden überwiegend Regionen mit disruptiven Brüchen (etwa die ostdeutsche Deindustrialisierung) oder erosiven Niedergangsprozessen (etwa Montanregionen). Regionen mit kontinuierlichem, mittelst?ndisch gepr?gtem Strukturwandel bleiben untererforscht – obwohl sie für ein differenziertes Verst?ndnis demokratischer Legitimit?t unverzichtbar sind.

Forschungsfrage

Das Projekt fragt danach, wie regionale Transformationserfahrungen und normative Bewertungen von Gerechtigkeit und Anerkennung die demokratische Wahrnehmung von Strukturwandelpolitik in einer Region kontinuierlichen Wandels pr?gen.

Ostwestfalen-Lippe als strategische Untersuchungsregion

Ostwestfalen-Lippe verk?rpert einen theoretisch wichtigen, aber empirisch unterbelichteten Transformationstypus: den kontinuierlichen, mittelst?ndisch gesteuerten Strukturwandel. Anders als in Brandenburg (disruptiver Umbruch durch Kohleausstieg und Tesla-Ansiedlung) oder im Saarland (industrielle Erosion der Montanindustrie) zeigt OWL eine schrittweise Anpassung gewachsener Wirtschaftsstrukturen an digitale und ?kologische Herausforderungen. Traditionsunternehmen wie Miele, Claas oder Dr. Oetker modernisieren sich kontinuierlich, w?hrend parallel neue Technologiecluster rund um Automatisierung und Digitalisierung entstehen.

Diese Konstellation wirft eigenst?ndige Legitimationsfragen auf:

  • Wie wird Wandel demokratisch verhandelt, wenn er nicht als Krise, sondern als graduelle Modernisierung erlebt wird?
  • Welche normativen Erwartungen entstehen, wenn regionale Akteure Transformation weitgehend selbst gestalten k?nnen?
  • Inwiefern unterscheiden sich Anerkennungsmuster und Gerechtigkeitsvorstellungen von krisengepr?gten Regionen?

Theoretischer Rahmen und methodischer Zugang

Die Studie verbindet Ans?tze der moral?konomischen Forschung (Thompson, Scott, Sayer) mit der soziologischen Transformations- und Demokratieforschung. Leitend ist die Annahme, dass sich in regionalen Moral?konomien sedimentierte Erfahrungen wirtschaftlichen Wandels niederschlagen, die gegenw?rtige Legitimit?tsurteile pr?gen. Das Projekt erweitert damit die Debatte um kulturelle Grundlagen demokratischer Legitimit?t um eine regional vergleichende Perspektive und operationalisiert den bislang wenig untersuchten Typus des kontinuierlichen Strukturwandels. Um diese Deutungsprozesse in ihrer Eigenlogik erfassen zu k?nnen, w?hlt die Studie einen qualitativen Zugang: Im Zentrum steht die Rekonstruktion subjektiver Sinnzusammenh?nge und narrativer Muster, in denen Akteure Transformation moralisch verhandeln und demokratisch einordnen.

Key Facts

Project type:
Forschung
Project duration:
04/2026 - 03/2027
Contribution to sustainability:
Reduced inequality

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Principal Investigators

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Dr. Sarah Lenz

Allgemeine Soziologie

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